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Historie: Kanten mit Kettensäge entschärft

Männer der ersten Stunde(n) erinnern sich

Es war eine Sensation: Am 18. und 19. November 1983 lud der ADAC zum "1. Internationalen ADAC-Hallen-Motocross" nach Stuttgart ein. Erstmals sollte eine Motocross-Veranstaltung in Deutschland unter einem Hallendach stattfinden.

Mitarbeiter des ADAC Württemberg hatten von einem Hallencross in Zürich gehört, charterten einen Bus und  schauten sich das Spektakel vor Ort an. Zurück in Stuttgart reservierte der ADAC Württemberg die Schleyer-Halle gleich mal für zehn Jahre für das Supercross. "Die Hindernisse wurden aus Holz und Metallgestellen gebaut, ich hatte auf einem alten Bahnhof Eisenbahnschwellen besorgt", erinnert sich Rennleiter Willi Schmid noch gut an die Geburtswehen, "die Schwellen waren aber so scharfkantig, dass wir am ersten Trainingstag viele Plattfüße an den Motorrädern hatten. Die Kanten haben wir dann mit der Kettensäge entschärft." Der sogenannte Kamelhöcker wurde mit Vierkanthölzern belegt. "Und die sind am ersten Tag gebrochen, weil das Holz zu dünn war", so Schmid. Das Fahrerlager wurde damals auf den Wasen ausgelagert - und die Fahrer schoben ihre Maschinen einfach über die Straße in die Halle.

Bravourös schlug sich ein Baden-Württemberger bei der Premiere 1983: Walter Gruhler aus Hornberg wurde am ersten Abend Vierter, am zweiten Fünfter. "Die Strecke war unheimlich rutschig und hatte nur eine Spur, auf der die Räder gegriffen haben", so Gruhler, "Überholen war fast nicht möglich - es ging nur am Ausgang der Radrennbahn und manchmal noch auf dem Waschbrett". Auch die Radrennbahn wurde ins Rennen miteinbezogen - und einen Abschnitt fuhren die Piloten sogar in einem kleinen Tunnel unter der Tribüne hindurch. Der Holzboden war Neuland für alle Piloten. "Ich habe daheim in der Hofeinfahrt Kurven fahren probiert mit Straßenenduroreifen, um ein Gefühl zu bekommen", rekapitulierte er. Gesamtsieger der Erstauflage wurde der amtierende belgische Weltmeister Eric Geboers, der am zweiten Tag der Schnellste war. Tagessieger am Freitag: der Finne Pekka Vehkonen. Erst bei der zehnten Veranstaltung im Jahr 1992 wurde die bis heute bewährte und hoch gelobte Fildererde in der Schleyer-Halle aufgebracht.

Viel Bemerkenswertes gab es bei den vergangenen 29 Supercross-Events: 1987 etwa wurde erstmals ein "Hallen-Rad- und Moto-Cross" veranstaltet, um die Radfahrer zu besänftigen, die in den Anfangsjahren des Supercross mit den Folgeschäden auf der Radrennbahn zu kämpfen hatten. Unter anderem waren Querfeldein-Radweltmeister Mike Kluge und verschiedene Nationalmannschaften am Start. Gerne denkt Willi Schmid auch an den Streckenbauer Loic Bouvy aus Paris zurück: Mit seinem kleinen Schaufelbagger wurde der mittlerweile verstorbene Franzose zum Star des Abends - er führte in den Pausen mit seinem Kettengefährt wahre Kunststücke vor. 1997 wurde das Freestyle eingeführt und schnell zur Attraktion. Die spektakuläre Flugshow erreichte 2006 ihren vorläufigen Höhepunkt, als mit dem Südafrikaner Nick de Wit erstmals ein Pilot in der Schleyer-Halle einen Salto rückwärts sprang.

"Die tolle Atmosphäre hat sich über all die Jahre erhalten bei diesem Treff der Motocrossfans", sagt Walter Gruhler. Der Mann der ersten Stunde(n) muss es schließlich wissen, denn er schaut auch heutzutage immer wieder gern beim ADAC Supercross vorbei.

Das 30. Supercross in Folge war ein ganz besonderes. Seit 2004 schaffte es mit Dennis Ullrich erstmals wieder ein deutscher Pilot in die Top Drei, dabei lag er kurz vor dem Ziel sogar noch in Führung, stürzte dann aber unglücklich. Auch für den Veranstalter, den ADAC Württemberg e.V., war die Jubiläumsauflage des Events ein voller Erfolg was sich unschwer an der Anzahl der Gesamtzuschauer festmachen lässt. Nie zuvor in der 30-jährigen Geschichte des Supercross hatten so viele Menschen das Spektakel besucht. Mit insgesamt 16150 Zuschauern war die Hanns-Martin-Schleyer-Halle an diesem Wochenende bis auf den letzten Platz ausverkauft.  

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